Terug

Abfall


Interview mit Antoon Panhuijzen

„Wenn ich einen besseren Abfallvertrag abschließe als erwartet, blicke ich zufrieden auf einen Arbeitstag zurück“ erzählt Antoon Panhuijzen, verantwortlich für die Umweltpolitik bei Van Geloven. Der Snackhersteller ist bestrebt, so wenig Abfall wie möglich zu erzeugen, und hält sich bei der Verarbeitung von Abfall an die sog. Leiter von Lansink.

„Beim Produktionsprozess streben wir unserem höchsten Ziel nach, nämlich möglichst wenig Abfall zu produzieren. 2014 ist uns das nicht gelungen, da die Gesamtabfallmenge zunahm“, erzählt Antoon.  Dabei stieg vor allem die Abfallmenge beim Kategorie 3-Material „unverpackt“ und „Schlick“. Die Zunahme des Schlicks wird hauptsächlich durch die gründlichere Wasserreinigung in Tilburg verursacht. Für das unverpackte Kategorie 3-Material gilt, dass es nun besser getrennt wird, wodurch der Strom zugenommen hat. Positiv ist dagegen, dass die Restabfallmenge gesunken ist. Außerdem führt Antoon weiter aus: „Für den Abfall, den wir erzeugen, suchen wir nach einer Verarbeitungsmethode, die die Umwelt möglichst wenig belastet oder sogar neue, nachhaltige Energie oder Materialien hervorbringt.“ Diese Herangehensweise knüpft an die sogenannte Leiter von Lansink an, einem Standard auf dem Gebiet der Abfallwirtschaft. Die Leiter besteht jeweils aus den ‚Stufen‘ Prävention, Wiederverwendung, Sortierung und Recycling, Verbrennung und Abfallablagerung. In der Praxis bedeutet dies: Es wird ausgelotet, ob ein bestimmter Schritt realisiert werden kann, und erst dann, wenn dies nicht der Fall ist, wird der nächste Schritt erwogen.Van Geloven unterscheidet zwei Abfallströme: feste und organische Abfallstoffe.


Frittieröl wird zu Biodiesel
Zu den festen Abfallstoffen gehören Folie, Papier, Kunststoffe, Metalle, Frittieröl, Restabfall und kleine chemische Abfälle. Bei den meisten Abfällen bewegt sich das Unternehmen auf den ersten drei Stufen der Leiter von Lansink. „Die oberste Stufe ‚Prävention‘ ist mit der Einführung des internen Programms 4WIN vor zwei Jahren noch mehr in den Blickpunkt gerückt; Mitarbeiter haben sich die Bedeutung der Prävention seinerzeit noch bewusster gemacht“, berichtet Antoon. 4WIN ist darauf ausgerichtet, alles gleich beim ersten Mal richtig zu machen.
Neben der Prävention kommt bei Van Geloven insbesondere das Recycling häufig zum Einsatz; aus (sauberer) Restfolie wird neues Plastik gemacht, Karton und Papier werden zu neuem Papier recycelt, und altes Eisen wird zu neuem Eisen geschmiedet. Die Menge, die Van Geloven an Papier-, Karton-, Folien- und Kunststoffabfällen erzeugt, hängt zu einem großen Teil davon ab, wie die Lieferanten die Produkte ausliefern. Stolz ist Antoon auf das verbrauchte Frittieröl, das zu Biodiesel verarbeitet wird. „Zurzeit werden von unserem verbrauchten Frittieröl ungefähr 552.000 Liter Biodiesel pro Jahr produziert.“

Restabfall: Trennen umweltbelastender aufgrund von Transport
Der kleine gefährliche Abfall (KGA) wird auf die gesetzlich vorgeschriebene Weise bei spezialisierten Betrieben entsorgt und der Restabfall wird einem Verbrennungsofen zugeführt, der daraus neue Energie erzeugt. Der Restabfall besteht größtenteils aus verschmutztem Plastik, das von den Fleischverpackungen stammt. „Auch für diesen Abfall suchen wir nach einer besseren Lösung, doch nach einer Untersuchung der Agentur ‚Agentschap NL‘ (heute: Rijksdienst voor Ondernemend Nederland) steht fest, dass eine Wiederwendung dieses Abfalls (noch) nicht möglich ist. Das liegt daran, dass Plastikverarbeitungsbetriebe dieses Plastik nicht reinigen können. Und selbst dann, wenn diese Möglichkeit eines Tages bestehen sollte, müssen wir kritisch prüfen, ob dies unter dem Strich überhaupt umweltfreundlicher wäre. In diesem Fall nämlich fielen mehr Transporte an, da das Plastik (aufgrund der Verrottung der Fleischreste auf dem Plastik) häufiger als einmal im Monat, wie dies heute der Fall ist, abtransportiert werden müsste. Darüber hinaus gibt es noch den Restabfall aus den Abfalleimern, der in Büros, Kantinen und Produktionsräumen gesammelt wird und beispielsweise aus Vinyl- und Nitrilhandschuhen, Papierhandtüchern sowie Putzrollen und Haarnetzen besteht. „Die Mengen dieses Restabfalls sind allerdings so gering, dass eine getrennte Einsammlung durch die erforderlichen Transporte umweltbelastender wäre.“

Projekt: Organischer Abfall als Futter für den Hund
Aus dem Fleisch, das Van Geloven verwendet, entsteht organischer Abfall der Kategorie 2 und 3 (gemäß der Einteilung durch die Verordnung (EG) Nr. 1069/2009). Zur Kategorie 2 gehört der Schlick, der bei einem Teil der Wasseraufbereitung entsteht. Der Schlick wird vergärt. Dabei wird Gas freigesetzt, das aufgewertet wird, um schließlich Erdgasqualität aufzuweisen. Antoon erklärt: „Wir entscheiden uns bewusst für eine Vergärung des Schlicks, da dies einen höheren energetischen Wirkungsgrad als die Verarbeitung in einem Verbrennungsofen erzeugt.“ Für die Fabrik in Helmond untersuchen wir gerade, ob wir noch eine Fettabscheideranlage mit Entwässerungsfunktion installieren können. Durch diese Maßnahmen werden mehr nützliche Abfallstoffe erzeugt, die vergärt werden können, so dass sauberes Abwasser entsteht. Darüber hinaus sind weniger Transportbewegungen notwendig, da dem Schlick das Wasser entzogen wird und für den Transport somit lediglich der nützliche Abfallstoff übrigbleibt.
Auch Abfall der Kategorie 3, insbesondere Fleisch, das nicht mehr zu gewerblichen Zwecken verwendet werden kann, wird zum Teil vergärt. Was den anderen Teil betrifft, ist Van Geloven im Gespräch mit einem Lieferanten von Hundewürsten, der das Fleisch eventuell verwenden möchte. „Das würde mir ein tiefes Gefühl der Befriedigung bereiten“, erzählt Antoon begeistert.