Terug

Grundstoffe


Interview mit Emmanuelle Beset, Head of Procurement

„Um auf dem Gebiet des Einkaufs die CSR-Grundsätze beachten zu können, müssen wir die Markttrends verfolgen. Die CSR-Grundsätze sind dynamisch und erfordern die permanente Anpassung von Ansichten, Standpunkten und Entscheidungen. Dort, wo wir uns in der Vergangenheit im Wesentlichen von unserer eigenen Umgebung leiten ließen, haben wir in den vergangenen zwei Jahren unsere eigene Herangehensweise entwickelt, inspiriert vom Ursprung unseres Unternehmens, nämlich der ausgeklügelten Produktion der leckersten Snacks. Dabei bewahren wir eine möglichst ausgewogene Balance zwischen den Aspekten Qualität, Lebensmittelsicherheit, Tierschutz, gute Arbeitsbedingungen und Menschenrechte in der Kette sowie Umweltbelastung und Bezahlbarkeit“, so Emmanuelle Beset, Head of Procurement, verantwortlich bei Van Geloven für die Einkaufspolitik in den Bereichen Rohstoffe und Verpackungen.

Zusammenarbeit in der Kette
Emmanuelle berichtet, dass die Procurement-Abteilung, also die Beschaffungsabteilung, großen Wert auf die Vermeidung von Verschwendungen legt und daher unentwegt prüft, wie Rohstoffe maximal verwertet werden können. „Dabei richten wir unseren Blick auf unseren eigenen Produktionsprozess, aber auch auf den in der Kette.So haben wir beispielsweise zusammen mit unserem Gemüselieferanten ermittelt, für welche Ströme es noch keine optimale Bestimmung gibt. Nach der Bestandsaufnahme prüfen wir mit der Produktentwicklung, welche dieser Spezifikationen für unsere Produkte eingesetzt werden können. Zusammen mit einem Zwiebellieferanten haben wir beispielsweise danach geschaut, ob die Restströme an Zwiebeln, die beim Zerkleinern für unsere Fleischspieße anfallen, auch für ein anderes Produkt verwendet werden können. Dies wurde erfolgreich getestet und nun setzen wir diesen Strom ein. Das bedeutet, dass wir ganze 2 Tonnen Reststrom aus Zwiebeln an anderer Stelle im Unternehmen einsetzen können. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir Verschwendung versuchen zu reduzieren. Dies ist natürlich für alle Beteiligten interessant“, so Emmanuelle. Für Fleisch prüft Van Geloven kontinuierlich mit seinen Lieferanten die Möglichkeiten einer maximalen Verwertung. In unseren Snacks zum Beispiel verwenden wir häufig sog. Separatorenfleisch. Dabei handelt es sich um qualitativ gutes Fleisch. Das Wort ‚Separatoren‘ weist auf die Technik der Fleischerzeugung hin. Eigentlich eine verfeinerte Entbeinungstechnik. „Wir prüfen zusammen mit unseren externen Parteien auch die Möglichkeiten, unsere Verwendung von Rohstoffen noch nachhaltiger zu gestalten. Wir haben untersucht, ob wir das Rindfleisch für unsere Marke De Bourgondiër aus den Niederlanden beziehen können und inzwischen tun wir dies in recht großem Umfang. Verfügbarkeit ist vor allem bei Rindfleisch ein wichtiges Thema, aber wir sind kontinuierlich auf der Suche nach Möglichkeiten, lokal zu beziehen“, so Emmanuelle. 

Abwägung der Bedeutung einer Zertifizierung
Beim Einkauf von Produkten achten Kunden und möglicherweise auch andere Stakeholders häufig auf Zertifizierungen. Emmanuelle sagt dazu: „Wir versuchen, in Absprache mit unseren Kunden die Gütesiegel kritisch unter die Lupe zu nehmen, und fragen uns in jedem einzelnen Fall, ob das Gütesiegel wirklich einen Mehrwert für die Verbesserung von Tierschutz oder Umwelt bietet. Wir halten uns beim Einkauf von Rohstoffen und Verpackungen an Qualitätsgrundsätze, die mit internationalen Standards vergleichbar sind oder sogar über diese hinausgehen. Bei der Qualität machen wir keine Kompromisse. Diese Einstellung müssen wir nicht immer mit einem Zertifikat unterstreichen, worüber nachfolgend mehr zu lesen sein wird.“

Rohstoffe mit und ohne Gütesiegel
In der Praxis bedeutet die Herangehensweise von Van Geloven, dass das Unternehmen einige Rohstoffe auf Basis von Gütesiegeln und andere Rohstoffe wiederum nach seinem eigenen Kurs einkauft. So kauft das Unternehmen bereits seit 2010 für sein Palmöl-Volumen zu 100% sog. Green Palm-Zertifikate ein. Dies bedeutet, dass es durch die Anschaffung der Zertifikate die nachhaltige Produktion von Palmöl unterstützt und voll und ganz dahintersteht. „Wir finden es jedoch nicht notwendig, dass eine zertifizierende Stelle anschließend kontrolliert, ob dies tatsächlich so ist, weil dadurch lediglich weitere Kosten auf uns zukommen würden. Kunden, die das möchten, können kontrollieren, ob wir die Zertifikate tatsächlich für unser gesamtes Volumen kaufen. Wir können das anhand von Rechnungen nachweisen“, so Emmanuelle. Ende 2014 ist Van Geloven für die Gesamtheit seines Palmölbedarfs auf segregated-Palmöl umgestiegen. Das bedeutet, dass dieses nachhaltig gewonnene Palmöl in der gesamten Kette bis zur Lieferung an die Produktionsstandorte von regulärem Palmöl getrennt verwahrt wird. Hierfür gilt auch wieder, dass man das anhand der Rechnungen beweisen kann.


Nachhaltigere Pappe
Für Verpackungen verwenden wir „virgin“-Pappe (nicht recycelt, sondern auf Basis neuer Fasern hergestellt). Und nach Möglichkeit verwenden wir recycelte Wellpappe. Für unsere gesamte Wellpappe verwenden wir FSC-zertifizierte Pappe. Unser Lieferant hat diese Zertifizierung in seine CSR-Strategie aufgenommen. Faltkartons kaufen wir im Einklang mit den Grundsätzen des PEFC- oder des FSC-Gütesiegels; diese Faltkartons sind ein gutes Beispiel für eine sog. ‚chain of custody‘.  Wir können uns darauf verlassen, dass für die Produktion unseres Faltkartonbedarfs ausschließlich zertifizierte Fasern verwendet und keine Urwaldbäume gefällt werden. Jedes Glied in der Zulieferungskette hat das COC-Zertifikat. Wenn wir dann auch noch das FSC-Gütesiegel für Faltkarton erwerben müssten, wäre das ein rein administrativer Akt, der unnötige Kosten verursacht und keinen Mehrwert für die Umwelt bietet. Nach Rücksprache mit unserem Kunden haben wir beschlossen, diesen Prozess nicht zu durchlaufen. Aber wir versuchen natürlich dennoch, Verpackungsabfall zu reduzieren. So werden Faltkartons, die nach Tilburg geliefert werden, nicht mehr in Verpackungskartons verpackt. Dadurch verringert sich der Bedarf an Pappe auf Jahrbasis um ganze 10192 kg“, gibt Emmanuelle an. Außerdem haben die Faltkartons in Tilburg keine PE-Beschichtung mehr von 20g, sondern von nur 15g. Dies reduziert den Verbrauch von PEs um 5262 kg pro Jahr. Und die Instore-Regale von Mora sind nun nicht mehr weiß/weiß, sondern weiß/braun. Das bedeutet, dass das Unternehmen zugunsten dieses beliebten Snacks zu 100 % recycelte Pappe verwendet anstatt wie früher zu 63 % recycelte Pappe.

Folgend in der Kette
Für das Schweinefleisch gilt, dass Van Geloven mit Lieferanten zusammenarbeitet, die gerade eine eigene Strategie ausarbeiten. Sie beschränken sich dabei nicht nur auf das Tierwohl, sondern formulieren auch einen Standpunkt im Bereich Umwelt. Sie befolgen dabei beispielsweise die Global GAP-Normen. Dies sind weltweit anerkannte und bekannte Richtlinien. Emmanuelle sagt dazu: „Wir freuen uns sehr, da diese Normen über das bloße Tierwohl hinausgehen. Darüber hinaus erlegen die Lieferanten und wir uns dadurch nicht zu viele Beschränkungen auf, was auch nicht gut für die Wettbewerbsstellung wäre, und damit wäre wirklich niemandem gedient. Unsere Snacks müssen für jeden erschwinglich bleiben!“ Konkret befindet sich Van Geloven nun mit seinem Schweinefleisch in einer Testphase für das Gütesiegel ‚Beter Leven 1 Stern‘. Da dieses Fleisch bisher in den Mengen, in denen das Unternehmen es braucht, nur begrenzt verfügbar ist, wird Van Geloven gleichzeitig dazu übergehen, Schweinefleisch mit einem Tierwohl-Niveau zu verwenden, das mindestens mit den Kriterien für „Beter Leven 1 ster“ (Besser Leben 1 Stern) der Tierschutzorganisation vergleichbar ist. Für Hühnchenfleisch, das den größten Anteil am gesamten Fleischportfolio einnimmt, hat sich Van Geloven eng mit großen Schlachtereien zusammengeschlossen. „Sobald die Einzelhändler zu Hühnchenfleisch wechseln, das den Richtlinien für ‚Kip van Morgen‘ (Huhn für Morgen) und ‚Beter Leven‘ entspricht, wird der Zugang zu Rohstoffen innerhalb der Spezifikationsbandbreite unseres Unternehmens wachsen, wodurch wir nach und nach eine Ausweitung realisieren können. Da wir uns mit unserer Spezifikationsbandbreite komplementär zum Einzelhandel verhalten, kann diese Rolle nicht ausschlaggebend in der Kette sein. Wir sind also stark abhängig vom bestehenden Angebot, das zurzeit minimal und damit äußerst wertvoll ist. Worauf wir hingegen sehr wohl Einfluss ausüben können, ist die Verarbeitung von Legehennen und Plus-Strömen (scharren, freier Auslauf usw.). Innerhalb unserer Rezepturen prüfen wir, ob wir mehr Legehennenfleisch verarbeiten können. Dies wäre nämlich noch nachhaltiger, da auf der einen Seite es sich faktisch um einen Seitenstrom der Eierindustrie handelt und andererseits innerhalb des Legehennenfleisches ein größeres Angebot an Plus-Strom vorhanden ist, den wir auf diese Weise auch zu uns ziehen könnten. Dadurch könnten wir innerhalb unseres Einflussbereichs einen wertvollen Beitrag zur Ausschöpfung einer maximalen Kapazität von Plus-Strömen leisten. Im Jahr 2013 konnten wir im Vergleich zu 2012 zum Beispiel gut 10% mehr Legehennenfleisch-Volumen in unseren Produkten verarbeiten, was mit dazu geführt hat, dass wir im letzten Jahr auch mehr Plus-Ströme verarbeitet haben, so Emmanuelle.

Pferdefleisch aus Südeuropa

 

Was Pferdefleisch betrifft, steht Van Geloven trotz der wiederholten hohen Wellen, die die wiederholten Probleme in Bezug auf das Wohlergehen von Pferden in den Medien geschlagen haben, weiterhin hinter der Verarbeitung von Pferdefleisch. Pferdefleisch hat nämlich einen ganz eignen Geschmack, der in Snacks häufig sehr beliebt ist. Van Geloven hat erst kürzlich seine Pferdefleischlieferanten besucht und bei ihnen keinerlei Aktivitäten festgestellt, die auf eine Misshandlung der Tiere hindeuten. Um ferner sicherzustellen, dass alle Lieferanten im Einklang mit den Anweisungen von Van Geloven arbeiten, wird SGS Auditing regemäßig eine Gesamtüberprüfung in Bezug auf das Wohlergehen der Tiere bei seinen Fleischlieferanten durchführen. Van Geloven sieht sich nicht veranlasst, den Einkauf von Pferdefleisch aus Nord- und Südamerika (Argentinien und Uruguay) einzustellen. Die Einzelhandelsprodukte von Mora hingegen enthalten mittlerweile kein Pferdefleisch mehr; insbesondere aufgrund der wiederholten hohen Wellen, die dieses Thema in den Medien geschlagen habt, wobei Mora zu Unrecht immer wieder mit Missständen bei anderen Lieferanten in Verbindung gebracht wird. Selbstverständlich bedauert Van Geloven diese Missstände sehr, jedoch kann Van Geloven keine Verantwortung für Fleisch übernehmen, das Van Geloven gar nicht einkauft. Für die Produkte, für die Van Geloven noch Pferdefleisch verwendet, untersucht das Unternehmen derzeit die Möglichkeiten des Einkaufs von Pferdefleisch aus Südeuropa - von einem Unternehmen, das einen guten Ruf hat in Bezug auf das Tierwohl. Das Fleisch ist zwar etwas teurer, aber anhand einer Kettenanalyse versucht Van Geloven doch zu einer schlüssigen Kostenrahmung zu kommen. Die ersten Tests wurden durchgeführt und die Ergebnisse sind vielversprechend.

Verhaltenskodex
Um zu gewährleisten, dass Lieferanten die Entscheidungen, die Van Geloven innerhalb seiner eigenen CSR-Strategie treffen möchte, mittragen, hat das Unternehmen Mitte 2014 neue Verhaltensregeln aufgestellt und sowohl an seine Mitarbeiter als auch an relevante Geschäftsverbindungen verteilt. „Diese Verhaltensregeln zum Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt haben wir auf Basis anerkannter (internationaler) Richtlinien zusammengestellt. Auf diese Weise drücken wir nicht nur aus, welche Vorstellung wir von Corporate Social Responsibility haben und welche Grundsätze uns dabei wichtig sind, sondern stimulieren auch den Markt, dem Thema CSR noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. „Unser Management ist innerhalb seines Einflussbereichs für die Umsetzung und die Überwachung der Befolgung dieses Verhaltenskodex verantwortlich. Wir haben dies daher in unser Audit-Programm aufgenommen, so dass wir für jedes Jahr den Fortschritt ermitteln können. Mit unseren Lieferanten streben wir eine dauerhafte Zusammenarbeit an. Dabei arbeiten wir vorzugsweise mit Parteien zusammen, die sich mit diesen Verhaltensregeln identifizieren können und danach handeln. Inzwischen bekommen wir vom Markt die Rückmeldung, dass sich immer mehr Lebensmittelbetriebe einem Verhaltenskodex wie dem unseren unterwerfen wollen“, so die Expertin begeistert.